Gedanken zum Angriff eines Afghanen auf Angehörige der National Guard in den USA

Auf Facebook habe ich Gedanken von Basir Bita zu dem Anschlag von vorgestern gelesen, die ich sehr bedenkenswert finde, auch in Bezug auf Gewaltakte in Deutschland.

Ich zitiere sie zuerst einer Übersetzung von deepl.com und dann im Original.

Die Geschichte hinter der Geschichte: Rahmanullah Lankawal, Krieg, Wunden und das, was wir nicht sehen wollen

Der tragische Fall von Rahmanullah Lankawal, der einen Menschen getötet und einen weiteren schwer verletzt hat, hat die Aufmerksamkeit der Medien in den gesamten Vereinigten Staaten auf sich gezogen. Aber wie so viele Geschichten, in denen Flüchtlinge, Einwanderer und vom Krieg gezeichnete Menschen eine Rolle spielen, hat sich die Berichterstattung schnell auf Etiketten, Schlagzeilen und Angst reduziert – ohne Raum für Geschichte, Menschlichkeit oder Kontext.

Rahmanullah wurde nicht in einem Vakuum geboren.

Er wurde geprägt von einem der längsten und zerstörerischsten Kriege des 21. Jahrhunderts, einem Krieg, den das afghanische Volk nicht gewollt hatte – einem Krieg, den die USA begonnen, zwei Jahrzehnte lang geführt und dann durch einen chaotischen Rückzug beendet hatten, der Millionen Menschen vertrieben, traumatisiert und destabilisiert zurückließ. Afghanistan hat über 40 Jahre andauernder Konflikte hinter sich, darunter die sowjetische Invasion, Bürgerkrieg, Taliban-Herrschaft, US-Militärintervention, Drohnenangriffe, Folterstätten, CIA-Stellvertreterkräfte, Armut, Vertreibung und generationenübergreifende Traumata.

Rahmanullahs Geschichte ist eine von Millionen, die von diesem Erbe geprägt sind.

Er soll Verbindungen zu den von den USA unterstützten Militäroperationen in Afghanistan gehabt haben – einer von Tausenden jungen afghanischen Männern, die rekrutiert, ausgebildet und an die Front eines Krieges geschickt wurden, der größer war als sie selbst. Viele führten Operationen durch, die sie nie ganz verstanden hatten, und mussten sich dabei mit wechselnden Allianzen, Fehlern der Geheimdienste und den gewalttätigen Anforderungen des Überlebens auseinandersetzen. Der Abzug im Jahr 2021 ließ genau diese Menschen gestrandet, gejagt und betrogen zurück. Diejenigen, die flohen, tragen Wunden, die der Westen nur selten anerkennen will.

Als Rahmanullah in die USA auswanderte, kam er nicht als unbeschriebenes Blatt an. Er trug die Narben eines generationenübergreifenden Traumas mit sich – den Schmerz seiner Vorfahren, die blutige Geschichte seines Heimatlandes und die psychologischen Wunden eines Krieges, den er sich nie ausgesucht hatte. Als Paschtune trug er möglicherweise auch die Last ethnischer Spannungen, kultureller Zwänge, Rachetraditionen und das Gewicht, eine Gemeinschaft zu vertreten, die oft stereotypisiert und zum Sündenbock gemacht wird.

Nichts davon entschuldigt Gewalt.

Aber es erklärt, wie Gewalt weitergegeben wird.

Wenn Menschen, die durch Konflikte entwurzelt wurden, in einem neuen Land ankommen, verschwindet ihr Trauma nicht an der Grenze. Es wandert mit ihnen – still, unerkannt, unbehandelt. Die Systeme fragen selten, was sie durchgemacht haben. Die Gesellschaft fragt selten, welche Unterstützung sie brauchen. Stattdessen wird von Flüchtlingen verlangt, sich sofort in eine Welt zu integrieren, die ihre Wunden nicht versteht.

Und wenn ein Schaden angerichtet ist, ändert sich die Darstellung.

Wenn ein weißer Amerikaner ein Verbrechen begeht, lautet die Schlagzeile „Mann tötet zwei Menschen.“

Wenn eine Person mit dunkler Hautfarbe, ein Flüchtling oder ein Neuankömmling eine Straftat begeht, verschieben sich die Schlagzeilen auf die ethnische Zugehörigkeit und den Einwanderungsstatus: „Afghanischer Flüchtling“, „somalischer Migrant“, „mexikanischer Staatsangehöriger“.

Das ist kein Journalismus – das ist Voreingenommenheit.

Es verstärkt die Vorstellung, dass Gewalt von Weißen individuell ist, während Gewalt von Menschen mit dunkler Hautfarbe oder Schwarzen kulturell bedingt ist. Weißen Tätern werden psychologische Erklärungen zugestanden – PTBS, psychische Erkrankungen, schlechte Kindheit. Flüchtlingen wird nichts zugestanden.

Wir kennen Rahmanullahs Motiv immer noch nicht.

Wir wissen immer noch nicht, wie tief sein Leid war.

Aber wir wissen Folgendes:

Krieg hinterlässt Wunden, die nicht verschwinden.

Vertreibung verstärkt sie noch.

Und wenn Gesellschaften diese Wunden nicht anerkennen, wachsen sie im Stillen weiter.

In dieser Geschichte geht es nicht um einen einzelnen Afghanen oder eine einzelne Gewalttat.

Es geht um den langen Schatten des Krieges, die Kosten der Intervention, das nicht anerkannte Trauma der Flüchtlinge und die gefährliche Leichtigkeit, mit der die Gesellschaft Leiden rassistisch interpretiert.

Wenn wir weitere Tragödien verhindern wollen, müssen wir aufhören, nur das Verbrechen zu betrachten, und anfangen, die Geschichte zu betrachten, die es hervorgebracht hat.

Denn Gewalt entsteht nie in einem einzigen Moment – sie wird vererbt, absorbiert, übertragen und schließlich entfesselt, wenn niemand zuhört.

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Apeirogon – ein Beispiel, dass der Hass nicht das letzte Wort zu haben braucht

Ich habe länger nicht mehr geschrieben. Mein Leben ist mit anderen Dingen reichlich gefüllt und ich habe manchmal auch den Eindruck, vieles, was mir wichtig ist, habe ich gesagt und die Wiederholung macht es nicht interessanter. Aber ich bin in der letzten Zeit auf einige weniger bekannte Bücher gestoßen, auf die ich gerne hinweisen möchte.

Beginnen möchte ich mit dem Doku-Roman „Apeirogon“ des irischen Schriftstellers Colum McCann, veröffentlicht 2020. Apeirogon handelt von zwei Männern, dem Israeli Rami Elhanan und dem Palästinenser Bassam Aramin. Beide haben eine Tochter durch die Gewalt der anderen Seite verloren. Aber anders als viele in ihren jeweiligen Communities verzichten sie aus tieferer Einsicht auf Rache und engagieren sich stattdessen gemeinsam im Parents Circle (https://www.theparentscircle.org (Originalwebseite auf Hebräisch), https://parentscirclefriends.org (englischsprachige Seite von Unterstützer*innen)), dafür, dass Lösungen gefunden werden, die allen Menschen im Land ein gutes Leben ermöglichen. Wichtig ist dabei für beide, dass sie die Leiderfahrungen (sowohl die persönlichen wie die historischen) der anderen Seite jeweils wahr- und ernstnehmen. So sind diese beiden Männer inzwischen durch eine tiefe Freundschaft verbunden.

Das Buch schildert diese Freundschaft anhand von 1001 Elementen, die manchmal nur aus einem Satz (gelegentlich auch aus einem Bild) bestehen, machmal auch mehrere Seiten umfassen. Manche beschreiben einzelne Szenen aus dem Leben der beiden, manche stellen sie in den Zusammenhang von historischen oder gar ornithologischen Informationen. Manche Elemente werden auch wiederholt, wie auch die schmerzhaften Erinnerungen oder die grundlegenden Fragen der beiden sich in deren Leben immer wieder wiederholen.

Der Titel Apeirogon greift diese Vielschichtigkeit auf. Er ist ein Begriff aus der Geometrie, der ein Gebilde bezeichnet, das zwar zählbar viele Facetten hat, deren Zahl aber gegen unendlich geht.[2] So wie der Konflikt in Israel und Palästina.

Aus meiner Sicht ein gut geschriebenes Buch, was hilft, manche dieser Facetten wahrzunehmen, die in der aufgeheizten Diskussion so schnell verloren gehen.

Bundesregierung korrigieren – israelische NGOs weiter unterstützen

In einer Erklärung des Vereins für Friedensarbeit im Raum der EKD e.V. weist die Kurve Wustrow darauf hin, dass die Bundesregierung den israelischen Nichtregierungsorganisationen Zochrot und New Profile die außenpolitische Unbedenklichkeit bzw. Förderfähigkeit entzogen hat.

Zochrot ist eine israelische Organisation, die an die Palästinenserinnen und Palästinenser erinnert, die um das Jahr 1948 von den jüdischen Siedlern vertrieben worden bzw. vor dem Krieg geflüchtet sind und setzt sich für deren Rückkehr ein. Dazu hat sie eine Vision entwickelt, wie ein gemeinsames gleichberechtigtes Leben von Juden und Menschen anderen Glaubens oder anderer Herkunft in diesem Land möglich ist.

New Profile setzt sich aus feministischer Perspektive gegen den großen Einfluss das Militärs auf die israelische Gesellschaft ein und unterstützt Menschen in Israel, die aus welchen Gründen auch immer den Kriegsdienst verweigern.

Die Kurve Wustrow arbeite sich seit vielen Jahren in Deutschland für Gewaltfreiheit. Einer ihrer Schwerpunkt sind Projekte des Zivilen Friedensdienstes, zu denen auch die Zusammenarbeit mit Zochrot und New Profile gehörte.

Die Deutsche Welle hat in einem sehr lesenswerten Beitrag dazu recherchiert und herausgefunden, dass neben den beiden israelischen Menschenrechtsorganisationen auch mindestens sechs palästinensische betroffen sind. Obwohl das Auswärtige Amt am Ende dieses Beitrags alle Vorwürfe, es wolle dazu beitragen, kritische Stimmen in Israel zu unterdrücken, zurückweist, erscheint mir dieser Vorwurf naheliegend.

Deshalb unterstütze ich eine Petition, den Stopp dieser Förderungen zurückzunehmen. Außerdem gibt es eine Möglichkeit, über die Kurve Wustrow, die beiden Projekte mit Spenden direkt zu unterstützen.

Organentnahme nach Herzstillstand? – Ein paar ethische Überlegungen

Wie die Tageszeitung DIE WELT berichtet, wird in der FDP-Bundestagsfraktion diskutiert, den festgestellten Hirntod als einziges Todeskriterium für die Ermöglichung einer Organentnahme durch das Kriterium des Herztodes zu ergänzen. Konkret solle es darum gehen, die Möglichkeit zu haben, dies als Zusatzoption auf seinem Organspendeausweis anzukreuzen. In anderen Ländern hätte dies zu einer deutlich vergrößerten Zahl an Organspenden geführt (vgl. auch https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/fdp-organspende-100.html).

Nullline im EKG

Die FDP nimmt damit eine Diskussion auf, die schon länger im Gange ist (vgl. z.B. den Artikel in der FR vom 2.2.2023 und den lesenswerten Aufsatz Organspende nach Herz-Kreislauf-Tod (DCD) in Deutschland – controlled Donation after Circulatory Determination of Death (cDCDD) in Germany von Rainer Günther), über die aber in der allgemeinen Öffentlichkeit nicht viel berichtet wird, und ist ein Gegenpol zur Stellungnahme der Bundesärztekammer von 1998.

Ich bin ja sehr skeptisch, wenn versucht wird, die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe zulasten des Selbstbestimmungsrechtes des sterbenden Menschen zu erhöhen. Egal wie der Gesetzgeber den Todeszeitpunkt definiert, aus meiner Sicht ist eine Organentnahme ein massiver Eingriff in den Sterbeprozess, und der setzt zu seiner Rechtfertigung echte Freiwilligkeit voraus, wie sie die Zustimmungslösung garantiert. Aber genau diese Freiwilligkeit beinhaltet ja der FDP-Vorschlag, und das macht ihn für mich zumindest diskutabel. Und wenn man bedenkt, dass in Spanien z. B. 45 % aller Organspenden von Spendern nach Herzstillstand kommen (vgl. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)02128-7/fulltext), dann könnte darin ja wirklich eine ethisch gute Möglichkeit liegen, dass mehr Menschen von den positiven Auswirkungen eines gespendeten Organs profitieren könnten. Zumal nach Einschätzung vieler Transplantationsmediziner*innen die Qualität der entnommenen Organe bezüglich der Langzeitüberlebenszeit in den meisten Fällen mit nach Hirntod entnommenen Organen vergleichbar ist, wenn sie unter guten Bedingungen entnommen werden (vgl. z. B. die UK GUIDELINES ON TRANSPLANTATION FROM DECEASED DONORS AFTER CIRCULATORY DEATH oder den Artikel Uncontrolled Donation After Circulatory Death: A Unique Opportunity in Journal Transplantation).

Wichtig erscheint mir dabei, sich klarzumachen, dass es dabei nicht nur um geänderte rechtliche Bedingungen geht, sondern dass es dann auch entsprechende organisatorische Anstrengungen braucht (die personelle und finanzielle Ressourcen benötigen), um die dann rechtlich möglichen Chancen auch Wirklichkeit werden zu lassen.

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Nach den beiden Verurteilungen: Wie Suizidhilfe geregelt werden könnte

In diesem Frühjahr sind mit Johann Friedrich Spittler (vgl. https://taz.de/Suizidassistenz-und-Strafrecht/!5989762/) und Christoph Turowski (vgl. https://www.medical-tribune.de/meinung-und-dialog/artikel/arzt-wegen-sterbebegleitung-verurteilt) zwei Ärzte jeweils von einem Landgericht zu jeweils 3 Jahren Haft verurteilt worden, weil sie jeweils einem psychisch kranken Menschen bei seinem Suizid assistiert hatten. Bei beiden waren die Gerichte zur Überzeugung gekommen, dass die Suizidant*innen nicht in der Lage gewesen seien, sich freiverantwortlich für einen Suizid zu entscheiden. Deshalb sei das Verhalten der Ärzte als Totschlag in mittelbarer Täterschaft zu bewerten sei, wenn jeweils auch in einem minderschweren Fall. Beide Mediziner waren jeweils in früheren Verfahren in anderen Fällen auch schon mal von dem Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden. Beide habe gegen ihre Urteile Revision eingelegt, sodass sie diese jeweils noch nicht rechtskräftig sind.

Der Prozess gegen Turowski wurde für die Journalistinnen Paulina Krasa und Laura Wohlers zum Anlass für eine zehnteilige, äußerst hörenswerte Podcast-Staffel Justitias Wille – Leben in der Waagschale. In ihr werden (von unterschiedlichen persönlichen Standorten aus) die beiden Fälle und das gesamte Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln differenziert dargestellt, sodass man einen guten Überblick über die Fülle seiner Aspekte bekommt

Ich selbst habe ja über den Themenkomplex Assistierter Suizid in diesem Blog schon öfters geschrieben (https://krankenhauspfarrer.net/tag/assistierter-suizid/) und im Mai letzten Jahres den Standpunkt vertreten, im Moment auch gut ohne eine gesetzliche Regelung der Suizidbeihilfe leben zu können (https://krankenhauspfarrer.net/2023/05/11/brauchen-wir/).

Zwei Plakate des Frankfurter Netzwerkes Suizidprävention

Diese letztere Meinung von mir haben die beiden Prozesse ins Wanken gebracht. Aus meiner Sicht haben sich beide Ärzten in Grenzbereichen bewegt, sodass ich die jeweiligen Urteile für nachvollziehbar, wenn auch nicht für zwingend halte. Und da ich nicht annehme, dass die beiden bewusst eine Straftat begehen wollten, bedarf es wahrscheinlich doch rechtlicher Regelungen, um die Grenze des Erlaubten zu markieren. Eine solche könnte außer durch ein Gesetz natürlich auch durch höchstrichterliche Rechtsprechung geschehen
– nur müssten auf dem Weg dahin dann u. U. Ärzt*innen (oder auch Suizidant*innen und ihnen nachstehende Menschen) dafür einen hohen Preis bezahlen.

Wobei ich es als die viel schwierigere Frage empfinde, wie diese Regeln inhaltlich aussehen sollten, bzw. was in Bezug insbesondere auch auf psychisch kranke Menschen das Ziel sein sollte: Sollte es nur darum gehen, übereilte (was ist das genau?) Suizide zu verhindern oder Suizide (auch gegen den langfristigen Willen der Betroffenen) generell? (Vgl. dazu auch die gegensätzlichen Positionen der Stellungnahme des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland zum Antrag „Suizidprävention stärken und selbstbestimmtes Leben ermöglichen“ und die Überlegungen von Ulla Bonnekoh in ihrer Bewertung der beiden Urteile in ihrem Artikel „Zum Leben verdammt“ des Humanistischen Pressedienstes).

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Ich bin lange nicht mehr dazu gekommen, in meinem Blog etwas zu veröffentlichen und schaffe auch im Moment keinen eigenen Beitrag. Aber hinweisen möchte ich auf eine Rede von Margot Käßmann, die in klaren und bedachten Worten deutlich macht, dass es eine christlich motivierte Gegenposition zur zunehmenden Militarisierung unserer Gesellschaft gibt. Sehr lohnenswert.

Queersensible Seelsorge

Ich bin dieser Tage auf das Buch „Queersensible Seelsorge“ von Kerstin Söderblom (Göttingen 2023) gestoßen. Söderblom ist promovierte ev. Theologin, war u. a. Gemeindepfarrerin, Studienleiterin beim Ev. Studienwerk in Villigst und arbeitet zurzeit als Hochschulpfarrerin der Ev. Studierendengemeinde in Mainz. Sie lebt seit vielen Jahren offen lesbisch und tritt in vielfacher Weise für die Rechte von LSBTIQ+-Personen ein, also von Menschen, deren sexuelles Begehren oder geschlechtliche Identität nicht auf solch eine Weise ausgeprägt ist, dass sie dem gesellschaftlich vorherrschenden Bild von Heterosexualität und Übereinstimmung von biologischer und sozialer geschlechtlicher Identität entsprechen.

In dem Buch benennt sie ihr Verständnis von Seelsorge, erinnert die (oft ja noch immer schmerzlichen) Erfahrungen von LSBTIQ+-Personen in Gesellschaft und Kirche und beschreibt in vielen anschaulichen Beispielen, wie Seelsorge im Sinne gelungener kirchlicher / christlicher Kommunikation LSBTIQ+-Personen so erreichen kann, dass ihnen geholfen wird, ihre Lebenssituation zum Positiveren zu gestalten. Ein Schwerpunkt (neben der Beschreibung der notwendigen Rahmenbedingungen queersensibler Seelsorge) ist die Auseinandersetzung mit biblischen Texten.

Dazu gehört einerseits die Einordnung von Abschnitten, die traditionell gegen schwule oder lesbisch lebende Menschen verwendet werden (S. 67ff.). Hier macht sie noch einmal klar, dass während der ganzen Zeit der Entstehung der Bibel moderne gleichgeschlechtliche Partnerschaften sozial gar nicht denkbar waren und die Bibel sich folglich damit auch gar nicht auseinandersetzt. Vielmehr greifen diese Stellen ein Verhalten an, das insgesamt dem Doppelgebot der Liebe zuwiderläuft und damit Gottes Willen widerspricht.

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Das Leiden aller ernst nehmen

Eigentlich möchte ich als Krankenhauspfarrer ja über Medizinethik, Seelsorge und Theologie schreiben, meine beruflichen Spezialthemen eben. Aber manchmal bedrängt mich etwas anderes so sehr, dass ich da nicht schweigen kann.

Und die erneute Eskalation des Konfliktes zwischen den Palästinensern, bzw. der Hamas, und Israel, bzw. seiner Regierung, ist eines davon. Die Brutalität, mit der die Hamas gezielt gegen Zivilist*innen vorgegangen ist, hat mich erschreckt. Die jetzige Reaktion Israels, die mit ihren Bombenangriffen und der Blockade von Strom, Trinkwasser und medizinischer Versorgung genauso die Zivilbevölkerung trifft (vgl. dazu z.B. auch den Beitrag in der Tagesschau vom 15.10.23), erschreckt mich genauso.

Israel wirft der Hamas zurecht seit langem vor, dass es sein Existenzrecht nicht anerkenne. Zugleich zerstört es durch seine Siedlungspolitik Stück für Stück die Grundlagen, dass ein lebensfähiger palästinensischer Staat entstehen könnte, ohne andere Perspektiven für ein gutes Leben der Bewohner*nnen der Westbank und das Gazastreifens zu eröffnen.

Ich bin überzeugt, dass Frieden nur möglich ist, wenn beide Seiten ernsthaft aufeinander zugehen. Damit stehe ich nicht allein. Auch in Israel und unter den Palästinensern oder in den USA gibt es Stimmen, die dasselbe sagen.

Eine Auswahl finden sich z. B. in folgenden Zusammenstellungen, die der Deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes gesammelt hat:

Gerne Pfarrer dieser Kirche

Schon seit Jahren spiele ich mit dem Gedanken, einmal einen Artikel darüber zu schreiben, dass ich gerne Pfarrer meiner Kirche, der Evangelischen Kirche von Westfalen, bin. Denn das bin ich nach mehr als 30 Jahren immer noch. Herausgekommen ist nun eigentlich ein Beitrag, warum ich gerne Mitglied dieser Kirche bin – trotz all der problematischen Seiten, die ich natürlich auch sehe und die mich immer wieder auch wütend oder traurig machen:

Dass meine Kirche manchmal noch immer recht bürokratisch agiert. Dass sie teil hat an allen menschlichen Schwächen. Dass es also Kolleginnen und Kollegen in ihr gibt, deren Verhalten mehr als ärgerlich ist und andere Menschen verletzt. Dass es auch in ihr sexuelle Gewalt gibt, dass sie an den Verbrechen der Kolonisierung beteiligt war, dass manche Amtsträger*innen ihre Macht missbrauchen, dass sie nicht klar genug Stellung gegen gesellschaftliches Unrecht bezieht usw.

In all dem ist auch meine Kirche einerseits ein Abbild unserer Gesellschaft und weist zugleich eigene Stärken und Fallen auf. Wobei evangelische Theologie nie behauptet hat, die Kirche sei göttlich oder rein. Schon Luther hat darauf hingewiesen, dass wir Gerechtfertigte und Sünder zugleich sind.

Dies alles vorausgesetzt, was ist es dann, was mich so mit dieser Kirche verbindet?

Druck mit einem Text Martin Luthers

Druck mit einem Text Martin Luthers „Von der Freyheyt eynisz Christen menschen. Martinus Luther. Vuittembergae. Anno Domini 1520.“ Erstellt wurde die Schrift im Jahr 1520 von dem Drucker Johann Rhau-Grunenberg.

Zentral ist darin für mich, dass ich in ihr immer wieder einen Geist der Freiheit erfahren habe, und zwar einer Freiheit, die zugleich von liebender Verantwortung und einer an Werte rückgebundenen Vernunft geprägt war. Und dass diese Freiheit mit einer offenen Spiritualität verbunden war, die mich immer wieder auch jenseits der Ebene des reinen Verstandes erreicht hat. Weiterlesen

Neue Notfallkarte des Rettungsdienstes in Herford

2016 hatte ich in einem Beitrag darauf hingewiesen, dass der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes in Herford eine Karte entwickelt hatte, die die wichtigsten Informationen zusammenstellt, damit im Notfall eine Notärztin oder ein Notarzt gleich einen passenden Rahmen für sein Handeln zur Verfügung hat.

Der aktuelle Leiter Dr. Steffen Grauthoff hat diese Karte nun gründlich überarbeitet und auf den Punkt gebracht. Sie findet sich auf einer Seite des Kreises, die auch über weitere Möglichkeiten berichtet, wie man dafür sorgen kann, dass im Notfall wichtige Informationen zur Verfügung stehen. Eine klare Empfehlung.